Eskalation eines Konfliktes im Voraus verhindern

Gewaltprävention an der Heinrich-Böll-Schule durch Schulmediatorin Heike Breid

Zwischen die Köpfe der beiden Streithähne passt kein Blatt Papier mehr. Die Zornesröte steht den Jungs im Gesicht und beide sind bis aufs äußerste kampfbereit. Jeden Augenblick könnte es zu einer heftigen Schlägerei kommen – eine fast alltägliche Situation in Schulen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, schlichtet Heike Breid, ausgebildete Schulmediatorin an der Heinrich-Böll-Schule, im Vorfeld den Konflikt. „Damit leisten wir an der HBS intensive und nachhaltige Gewaltprävention. Wir dürfen nicht warten, bis ein Konflikt eskaliert, sondern müssen schon vorher eine einvernehmliche Lösung finden“, erklärt die engagierte Religionslehrerin, die seit Anfang März dieses Amt an der integrierten Gesamtschule ausübt.
Heike Breid sieht sich keineswegs in der Rolle eines Schiedsrichters, der nach Anhörung der Kontrahenten ein Urteil fällt. Sie ist vielmehr eine Vermittlerin, die auf Grund ihrer überparteilichen Position für beide Seiten eine akzeptable Ansprechpartnerin ist. „Mein Ziel ist es, dass die Konfliktparteien selbst eine ihren Interessen optimal entsprechende Problemlösung erarbeiten. Zuerst müssen sie an einen Tisch und ins Gespräch kommen. Dabei darf jeder seinen Standpunkt darlegen“, betont die Schulmediatorin, die im September eine staatliche Prüfung absolviert. Dabei ist es wichtig, dass die beiden Parteien nicht ihr Gesicht verlieren und dem jeweils anderen ihre Wertschätzung zu teil werden lassen. Wenn das erste Gespräch nicht mit dem gewünschten Ergebnis endet, lädt sie zu weiteren Treffen ein.




Konflikte – damit ist nicht das weit verbreitete Mobbing gemeint – können zwischen den verschiedensten Personen auftreten. Schüler können Probleme mit Lehrern haben, Lehrer mit Eltern oder Kinder mit ihren Eltern. Sobald es sich um einen Schüler-Lehrer-Konflikt handelt, zieht Heike Breid einen anderen Mediator hinzu, denn ihre Allparteilichkeit könnte in den Augen des Schülers nicht mehr gewährleistet sein.
„Basis für eine erfolgreiche Mediation ist das freiwillige Erscheinen der Kontrahenten“, erklärt Heike Breid. Die Schüler signalisieren damit ihren Willen zu einer friedlichen und einvernehmlichen Lösung ihres Problems. Die erste – „und wichtigste“ – Aufgabe der Mediatorin besteht darin, den beiden Parteien zuzuhören. Die gelernte Kommunikationstrainerin spricht von einem „aktiven Zuhören“. Hinzu komme, so die ehrenamtlich tätige Notfallseelsorgerin, Geduld und Ruhe. Außerdem müsse man Vertrauen schaffen, kreativ sein und Empathie besitzen. Eigenschaften, über die – das bestätigen Schulleitung, Kollegen und Schüler gleichermaßen – Heike Breid verfügt.
Aus diesem Grund wurde sie für diese Aufgabe ausgewählt. Schade nur, dass Heike Breid keine feste Anstellung an der Heinrich-Böll-Schule hat und deshalb ihr Engagement über das Schuljahresende hinaus nicht garantiert ist. Die Schulmediation ist ein wichtiger Baustein der Schulsozialarbeit, die an der Heinrich-Böll-Schule installiert und forciert werden soll. Aus diesem Grund sollen, so Heike Breid weiter, an der HBS noch weitere Kollegen auf diesem Gebiet ausgebildet werden. Ferner ist im nächsten Schuljahr ein Wahlpflichtunterricht für Neunt- und Zehntklässler geplant, die zu Schülermediatoren geschult werden sollen. Ihre Aufgabe könnte darin bestehen, Konflikte von Schülern der jüngeren Jahrgänge zu schlichten.
„Das Streitschlichterprogramm vermittelt soziale Kompetenzen, hilft bei der Vermittlung wichtiger Werte und stärkt die Persönlichkeit der Teilnehmer“, fasst Heike Breid zusammen. Die Aufgabe der Schulmediatorin stößt an der Heinrich-Böll-Schule auf große Resonanz. Das Angebot wird bereits von Schülern angenommen. Ihnen ist ein Gespräch in entspannter Atmosphäre mit Heike Breid allemal lieber als eine wilde Keilerei, die mit blauen Flecken und harten Strafen endet.