Mediennutzung kritisch unter die Lupe genommen

Arbeitsgruppen beschäftigten sich an zwei Medientagen mit Handyumgang, Videospielen, Fernsehsendungen und Internet-Inhalten

"Ich wollte doch nur schauen, wie morgen das Wetter wird. Warum nehmen Sie mir das iPhone ab", jammert ein Dreizehnjähriger, der sich von seinem Lehrer unfair behandelt fühlt. Für immer mehr Jugendliche ist ein Leben ohne Smartphone oder Handy eine echte Horrorvorstellung. Viele Schulen verbannen elektronische Geräte aus dem Schulalltag. Lehrer dürfen die Geräte konfiszieren. Die täglichen Diskussionen um dieses Thema - auch im Elternhaus - sind Anlass genug, um die Mediennutzung von Schülern genauer unter die Lupe zu nehmen.
Über diese und andere negative Seiten neuer Medien informierten gleich mehrere Institutionen im Rahmen zweier "Medientage" ca. 200 Schüler des achten Jahrgangs an der Heinrich-Böll-Schule. Nicht nur der Gebrauch des Handys stand im Mittelpunkt der Präventionstage, auch die Themen "Fernsehen", "Internet" oder "Videospiele" wurden eingehend behandelt. In mehreren Arbeitsgruppen nahmen sich die Schüler einen Themenkomplex nach dem anderen vor.
Organisator Sven Spottka hatte für die zum zweiten Mal an der Heinrich-Böll-Schule durchgeführten Medientage das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Dreieich (MuK), die Polizei sowie die Jugend- und Drogenberatung "Prisma" gewinnen können. Die erste Veranstaltung im vergangenen Jahr war derart erfolgreich und von den Schülern mit begeisterten Kommentaren bedacht worden, dass es für die Verantwortlichen der integrierten Gesamtschule ein Muss war, das Projekt zu wiederholen.


Eröffnung der Medientage im Foyer


Ziel ist es, den Jugendlichen deutlich zu machen, wo die Gefahren der neuen Medien liegen und wie man sich davor schützen kann. Beim Gebrauch von Smartphones geht es nicht nur um den Missbrauch - Stichwort: Mobbing - sondern auch um eine unerwünschte Ablenkung vom Wesentlichen. Wenn das Gehirn sich ständig mit Handy-Spielen und Internet-Surfen auseinandersetzen muss, kann es sich nicht mehr auf eine Matheaufgabe einlassen. Darüber hinaus - das räumten HBS-Schüler freimütig ein - wird das Miteinander nicht mehr gepflegt. Wer Kopfhörer in den Ohren hat, kann seinem Mitschüler nicht mehr zuhören.
Nebenbei bemerkt: Vom hessischen Schulgesetz ist der vorübergehende Einzug elektronischer Geräte als "Ordnungsmaßnahme" erlaubt. In anderen Bundesländern schreibt das Gesetz sogar ausdrücklich vor, dass elektronische Geräte auszuschalten sind.
Nicht zu vergessen sind die Kosten, die monatlich für die Nutzung der Handys anfallen oder für den Kauf von Videospielen ausgegeben werden und schon manchen Jugendlichen in die Kostenfalle getrieben hat.
Ein weiteres großes Thema waren die "sozialen Netzwerke". Gerade Jugendliche geben gedankenlos persönliche Daten weiter oder stellen diskriminierende Fotos ins Netz. Aufschlussreich war auch die Auseinandersetzung mit Computerspielen, die oftmals Gewalt verherrlichen. Wer die brutalen und menschenverachtenden Streifen zum ersten Mal sieht, kann kaum glauben, dass sie von Kindern und Jugendlichen gespielt werden dürfen.
Doch auch ein so harmlos erscheinendes Medium wie das Fernsehen hat seine Tücken: Die Reality-Shows gaukeln ein Welt vor, die es nicht gibt. Schnell entstehen Vorurteile und gezeigte Personen werden stigmatisiert. Zwei Tage lang beschäftigten sich die Achtklässler mit diesen Themen; alle Schüler durchliefen alle Module. Dafür hatten sie jeweils eine Stunde Zeit. "Wir konnten den Erfolg des Vorjahres wiederholen. Unsere Schüler waren begeistert von den Themen und den Referenten, die sehr schülerorientiert agierten", bilanzierte Oberstudienrat Sven Spottka. Die Module deckten all jene Themen ab, die Jugendliche in diesem Alter betreffen und bedrücken, bemerkte der Pädagoge. Beim abschließenden Gespräch mit den Referenten Michael Niedermayr (Prisma), Anne Schmitt, Lisa Simmla, Cordula Kahl, Lea Kleinert, Josetta Kohl, Doreen Christmann, Jakob Marciniak und Sisi Chen (MUK) sowie Bettina Noll und Peter Hoffmann (Polizeiliche Jugendarbeit) wurde deutlich, dass es ungemein wichtig ist, an Schulen präventiv tätig zu werden, denn nur durch Aufklärung lässt sich die Kommunikationskultur in positiver Hinsicht ändern. "Wir wollen, dass die Schüler über ihr eigenes Verhalten im Umgang mit neuen Medien reflektieren und selbstkritisch ihren eigenen Umgang hinterfragen", fassten Anne Schmitt und Michael Niedermayr zusammen. Die Referenten lobten die hervorragende Organisation und die tolle Betreuung an der Heinrich-Böll-Schule, die in dieser Hinsicht vorbildlich sei. "Die Veranstaltung sollte man an der HBS unbedingt beibehalten", betonten die Experten. Die integrierte Gesamtschule biete sich, so die Referenten weiter, sogar als Pilotschule für ein Medienprojekt an. Der stellvertretende Schulleiter der Heinrich-Böll-Schule, Arndt Neumann, und Organisator Sven Spottka dankten den Referenten und lobten deren hervorragende Präventionsarbeit. Der Medientag rundet die übrigen Präventionsaktivitäten - "Ohne Kippe" und "Genießen statt begießen" - an der Heinrich-Böll-Schule ab.


Schülerinnen bei einer Video-Bearbeitung