Stinkendes Schlammloch in anspruchsvolles Biotop verwandelt

Achte Klasse der Heinrich-Böll-Schule sanierte in mühevoller Arbeit den Schulteich / Viele Unterstützer

Schlamm an den Schuhen, Schlamm am Hemd, Schlamm im Gesicht und Schlamm in den Haaren: Eine achte Klasse der Heinrich-Böll-Schule lieferte sich eine echte Schlammschlacht. Es war jedoch keineswegs ein verrücktes Vergnügen, sondern harte Arbeit. Der Grund: Die Schüler sanierten in mühevoller Arbeit den schuleigenen Teich, der seit Jahren ein eher trauriges Mauerblümchendasein fristete. Verrottete Blätter, Äste und abgestorbene Wasserpflanzen hatten aus dem ehemals schmucken Teich ein stinkendes Schlammloch werden lassen. Jetzt präsentiert sich die Wasserfläche als anspruchsvolles Biotop, das vielen Pflanzen und Tieren einen idealen Lebensraum bietet.
Klassenlehrer Sebastian Rhein organisierte - in Absprache mit der Fachschaft Biologie - die Arbeiten am Teich. "Meine Klasse war spontan bereit, diese Aufgabe zu meistern", betonte der Pädagoge. Bevor jedoch die Ärmel hochgekrempelt werden konnten, musste das Vorgehen koordiniert und Kosten ermittelt werden. Gerade die Kostenfrage sorgte bei Klassenlehrer Rhein und seinen Schülern für Kopfzerbrechen. Als Retter in der Not entpuppte sich der Förderverein der Schule, der den Löwenanteil übernahm. Überdies erwiesen sich viele Firmen als sehr spendabel.
Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Handschuhen, Schaufeln, Besen und anderen Utensilien ging's an die Arbeit. Zuerst pumpten die Schüler das Wasser ab. Schon bald wurde das Ausmaß der Verschlammung deutlich. Etwa kniehoch stand der Morast im Teich. Über kurz oder lang wäre es zu einem dramatischen Sauerstoffmangel im Gewässer gekommen. Anders ausgedrückt: Alles Leben wäre abgestorben.





Den übel riechenden Schlamm schippten die Schüler auf eine Rolle. Dank Förster Eder wurde ein Abnehmer des wertvollen Gartendüngers gefunden. Die im Teich befindlichen Pflanzen - unter anderem schöne Seerosen - wurden für die Neuanpflanzung aufbewahrt. Jetzt stand die Gestaltung des Teiches auf der Agenda, dabei leistete die Gärtnerei Müller wichtige Hilfe. Sie ermöglichte auch mit der Spende einer Teichpumpe das Anlegen eines "Klärbereichs". Das Wasser fließt nun über Granitsteine in ein "Vorbecken", das mit Pflanzen bestückt ist, die als "Reinigungskräfte" fungieren.
Apropos Granitsteine: Die Mädchen und Jungs der achten Klassen bewegten Tonnen von Granitsteinen, mit denen sie den Uferbereich befestigten und die Teichfolie gegen Lichteinstrahlung schützten. Obendrein verliehen sie dem Teich damit ein sehr natürliches Aussehen. Jetzt ging's an den Feinschliff, sprich: die adäquate Bepflanzung des Teichs. Dabei achteten die Schüler sehr genau darauf, welche Pflanzen für Flachwasser- oder Tiefwasserzonen geeignet sind. Den für die Bepflanzung nötigen Rheinkies lieferte die Baufirma Zeiß zu sehr günstigen Konditionen an. Rheinsand für die Schaffung von Flachwasserzonen spendierte kostenlos das Kieswerk Rohr in Bensheim. Ähnlich spendabel war die Firma Röhrig aus Sonderbach, die Wasserbausteine aus Granit lieferte.
Um möglichst schnell das Projekt zu beenden, trafen sich die Schüler sogar in ihrer Freizeit am Nachmittag, an Samstagen oder in den Ferien. Auch Eltern der Achtklässler packten kräftig mit an. "Die Motivation war enorm. Je näher wir dem Ziel kamen, desto stärker wurde das Engagement meiner Klasse", lobte Lehrer Sebastian Rhein. Mit Unterstützung der Gemeinde Fürth - den Mitarbeitern des Bauhofs - wurde der große Teich schnell gefüllt. Besonders groß war die Freude bei den Achtklässlern, als sie nur wenige Tage später die ersten "Bewohner" im Teich entdeckten. Molche tummelten sich im klaren Wasser. Auch Wasserläufer siedelten sich an.
Damit zukünftig aus dem herrlichen Biotop kein Schlammloch wird, hat sich die achte Klasse als "Pate" bereit erklärt, den Teich permanent zu pflegen.
Der kommissarische Schulleiter Andreas Stüber und Stufenleiterin Eveline Vieweg dankten den Schülern für die professionelle Arbeit und das hervorragende Engagement. Stufenleiterin Vieweg hatte für die Schüler als ein "süßes" Dankeschön parat. "Es hat uns viel Spaß gemacht, den Teich wieder auf Vordermann zu bringen. Dass sich schon Tiere angesiedelt haben, macht uns besonders stolz. Man sieht daran, wie wichtig ein intaktes Biotop für die Natur sein kann", erklärte ein Schüler der Klasse, der mit einem Lächeln noch hinzufügte, dass die "Schlammschlacht besonders cool" gewesen sei. Endlich eine Schlammschlacht, die Sinn machte und aus der ein würdiger Sieger hervorging.